125 Jahre Verband der Verwaltungsbeamten - Festveranstaltung zum großen Jubiläum

Mit einem feierlichen Festakt und zahlreichen Ansprachen wurde das 125-jährige Jubiläum am 19. April in der Sparkassenakademie Stuttgart gefeiert.

Denn vor 125 Jahren, genau am 04. Juni 1893, wurde der Verband der Verwaltungsbeamten in Baden-Württemberg (VdV) als „Verein württembergischer Verwaltungskandidaten“ in der Liederhalle in Stuttgart gegründet. Über 200 Mitglieder und Unterstützer des Verbandes waren angereist und freuten sich darüber, dass der Verband auf eine 125-jährige Geschichte zurückblicken kann. In verschiedenen Grußworten beleuchtete man die Verbandsarbeit der Vergangenheit und Zukunft. Dabei stellte nicht nur der Verbandsvorsitzende Jochen Müller treffend heraus: „Ohne den Verband hätte manches schlimmer kommen können“. Allgemein wurde betont, wie wichtig in schwierigen Zeiten für unsere Gesellschaft früher wie heute ein starker Berufsverband ist. Die Veranstaltung wurde von der Combo des Hochschulorchesters Kehl musikalisch umrahmt und mit einem Kurzfilm über die Vielfältigkeit des Berufsbildes aufgelockert.
 
Sowohl die Darbietungen der Combo als auch der unterhaltsame Kurzfilm kamen bei den Gästen sehr gut an und wurden mit großem Beifall bedacht.

Der Vorsitzende des VdV, Jochen Müller, begrüßte seine Gäste und
Verbandsmitglieder und betonte die Einmaligkeit des Verbands der Verwaltungsbeamten. Bescheiden stellte er heraus, dass der Verband nicht alles falsch gemacht habe und erinnerte an einige Erfolge wie z. B. die Rücknahme der Absenkung der Eingangsbesoldung, die Aufhebung der Stellenobergrenzenverordnung sowie die Erhöhung der Zulassungszahlen. Gleichzeitig drückte er auch weitere Wünsche wie z. B. faire Behandlung von der Politik, eine gerechte Bezahlung, die Übernahme von Tarifergebnissen sowie die Rücknahme der Verschlechterung in der Beihilfe aus. Er spannte den Bogen von damals bis heute, indem er die Anliegen der Kollegen im Jahr 1893 und heute zusammenfasste: „Es ist die Sorge um eine gute Ausbildung und ein gutes Auskommen und damit das Bemühen, mit einem gut funktionierenden Berufsbeamtentum den Staat am Laufen zu halten“ und stellte damit fest, dass die Anliegen der Kollegen damals wie heute eigentlich dieselben sind.
 
Im anschließenden Grußwort des Hausherren gratulierte der Präsident des Sparkassenverbands Baden-Württemberg, Peter Schneider,
 
und wies auf die gemeinsamen Wurzeln hin, die die Sparkasse und den Verband der Verwaltungsbeamten verbindet:
Die ersten Sparkassenverantwortlichen waren meist Verwaltungsbeamte. Damit sieht er den Erfolg der Sparkassen quasi im Erfolg der Beamtenschaft begründet. Auch wenn inzwischen viel Zeit vergangen ist, so könne er auch heute noch sowohl Beamten als auch Bankmitarbeitern gleiche Eigenschaften zuschreiben: kenntnisreich, akkurat, solide, fleißig, unbestechlich - „das ist der personelle Kern, der erfolgreiche Verwaltung und Sparkassen letztlich bis heute ausmacht“, so Schneider. Darin sehe er auch die besten Voraussetzungen für die Zukunft für Land, Kommunen und Sparkassen.
 
Landtagspräsidentin Muhterem Aras, MdL, schloss sich den Glückwünschen an und nutzte die Gelegenheit, sich bei den Verwaltungsbeamten für die unglaublich wichtige Arbeit zu bedanken. Dabei stellte sie heraus, dass sich zwar zahlreiche Bürgerinnen und Bürger für die Arbeit des Parlaments interessierten, aber dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Verwaltungen viel entscheidender wären für das Bild, das sich unsere Bürgerinnen und Bürger von unserem Gemeinwesen machten. „Die Qualität unserer Verwaltungen, die Effizienz und Gründlichkeit ihrer Arbeit ist etwas, das wir uns in Deutschland auf die Fahne schreiben“, so Arras, „denn im Ländervergleich werden die deutschen Strukturen als vorbildlich wahrgenommen“. Zu Recht könne man daher stolz sein. Sie wisse zudem auch, dass man die Verantwortung, die die Repräsentanten unseres Gemeinwesens tragen, mit einem Dienst nach Vorschrift überhaupt nicht vollständig ausfüllen könne. Daher dürfe man die Verwaltung nicht weiter ausbluten lassen. Sie sei froh und dankbar, dass es starke Vertretungen wie den Verband der Verwaltungsbeamten gäbe. Denn das sei eine Vertretung, die für die Interessen ihrer Mitglieder kämpfe: „Gerne auch mit harten Bandagen – aber am Ende mit der Bereitschaft zum konstruktiven Dialog“, so Aras. Diese Mischung sei ihrer Meinung nach der Grund, dass man heute zu einem guten Verhältnis zwischen Politik und der Beamtenschaft gefunden habe. Ihr Wunsch für die Zukunft: „Gesicht zeigen für das Gemeinwesen“, was für sie heiße, dass die Verwaltungen die Gesellschaft widerspiegeln müssten und gleiche Chancen und Behandlungen garantierten.
 
Auch der dbb-Bundesvorsitzende Ulrich Silberbach gratulierte ebenfalls gerne zum 125-jährigen Geburtstag. Eigens von Berlin angereist, lobte er das milde Klima und die kulinarischen Genüsse und verwies auf die stolze Leistung der 125-jährigen gewerkschaftlichen Verbandsarbeit. Er dankte all denen, die über die lange Zeit dafür Sorge getragen hätten, dass unser Land funktioniere und wies darauf hin, dass auch der dbb sein 100-jähriges Bestehen in diesem Jahr feiern könne. Er sähe das Jubiläum in erster Linie als Ansporn, den öffentlichen Dienst in allen Bereichen noch attraktiver und zukunftsfähiger zu gestalten. Kritisch beschrieb er die aktuelle Situation in einer Kurzdiagnose: „unterbesetzt, überaltert, schlecht bezahlt“ und sieht Stellenkürzungen und pauschale Stelleneinsparungen der letzten Jahre als Fehlentwicklung. „Wir werden nicht müde, in der Politik eine aufgabengerechte Personalausstattung für den gesamten öffentlichen Dienst zu fordern“, so Silberbach und wünscht sich das zukünftige Leitbild für den öffentlichen Dienst anders: „mobil, agil, divers und digital“. Wie auch immer sich die Arbeitswelt in Zukunft weiterentwickeln würde, die Menschen und ihre Bedürfnisse dürften bei der künftigen Gestaltung der Arbeitsplätze nie aus dem Blick geraten.
 
In seinem Festvortrag stellte Ministerpräsident a.D., Prof. Dr. h.c. Erwin Teufel, die Wichtigkeit einer guten Ausbildung heraus, die garantiere, dass gute Leute nachwachsen. Er bemerkte, dass die Verkürzung der Ausbildung für ihn eine Verschlechterung war, betonte aber auch, dass es gut gewesen wäre, sich nicht an der bundesweiten 3-jährigen Ausbildung zu orientieren und mehr theoretische Inhalte aufzunehmen. Als Fazit zeigte er sich daher insgesamt mit der Ausbildung zufrieden.
„Der Verband der Verwaltungsbeamten in Baden-Württemberg ist eine Institution, weil der gehobene Dienst eine Institution ist“, beschrieb Teufel. Er habe Ansehen und Einfluss, biete Gestaltungsmöglichkeit und rechtsstaatliches Verwaltungshandeln. Er sei bürgernah und mit allen Problemen vertraut. Beamte seien qualifiziert ausgebildet, gebildet und sozial eingestellt. Daher sei der gehobene Dienst ein Solitär und auf jeder Ebene der Verwaltung und Gestaltung vertreten.
Seine Sorge gelte allerdings dem Amt des Bürgermeisters. Er sieht hier eine Diskrepanz zwischen dem Frauenanteil in der Ausbildung und Verwaltung und dem Anteil der Frauen in Bürgermeisterstellen. Er wisse, wie schwer es die Frauen hätten, Beruf und Familie zu vereinbaren und ziehe daher den Hut vor den Frauen, die es wagten, sich als Bürgermeisterin zu bewerben - wolle aber alle Frauen ermutigen, dies zu tun. „Wir brauchen Ihre Intelligenz, Ihre Kompetenz und Ihren Fleiß für Führungsaufgaben“, so Teufel.
In seinen folgenden Ausführungen betonte Teufel weiter, dass ein Beamter oder eine Beamtin des gehobenen Dienstes für ihn eine Führungskraft sei. Er erwarte von einer solchen Kraft Kompetenz in der Sache. Sie solle aber nicht nur ihre Spezialaufgabe in der Verwaltung gut erledigen, sondern auch über den Tellerrand hinausblicken und Mitverantwortung übernehmen. Hierfür benannte er Werte, die aus seiner Sicht dafür notwendig seien wie z.B. dienen und führen. „Führung erfordert heute nicht nur Fachkompetenz, sondern Bildung und Charakter“, so Teufel. Als ein Beispiel für ein Vorbild aus dem Bereich der gehobenen Verwaltungsbeamten stellte er Robert Scholl heraus, dessen Kinder Hans und Sophie zum Tode verurteilt wurden. Seine Hochachtung gelte Robert Scholl, der aufgrund seiner Standhaftigkeit für die Demokratie und den Rechtsstaat sowie die freiheitliche Erziehung seiner sechs Kinder einstand.

Der Verbandsvorsitzende Jochen Müller nach seiner Rede. Am Tisch links von ihm Landtagspräsidentin Muhterem Aras, der Präsident des Sparkassenverbandes Baden Württemberg Peter Schneider, der Vorsitzende des deutschen beamtenbundes und tarifunion Ulrich Silberbach und Präsident und Ehrenmitglied Heinrich Haasis, rechts von ihm Ministerpräsident a. D. Erwin Teufel, Staatsminister Wilfried Klenk, Ehrenvorsitzender Rolf Wieser, Prof. Paul Witt und von hinten Gemeindetagspräsident Roger Kehle.

Anschließend moderierte der stellvertretende Verbandsvorsitzende und Rektor der Hochschule für öffentliche Verwaltung Kehl, Prof. Paul Witt, ein Gespräch mit Martina Brosi-Barth, Leiterin der Verwaltungsschule Esslingen, Heinrich Haasis, Ehrenmitglied und Präsident des Weltinstituts der Sparkassen (WIS) sowie Julia Nußhag, Vorsitzende des Studierendenrats der Hochschule für öffentliche Verwaltung Kehl. Dabei ging er nicht nur auf wichtige Ereignisse im Gründungsjahr 1893 ein, sondern spannte auch gekonnt einen Bogen über unterschiedliche Zeitepochen, vor allem in der Ausbildung sowie persönlichen Erlebnisse der drei beteiligten Personen. Heinrich Haasis gab dabei Preis, was er aus seiner Ausbildungszeit für seinen späteren Erfolg mitgenommen hat. So habe er in seiner Zeit auf dem Rathaus gelernt, sich in die Leute hineinzuversetzen, sie ernst zu nehmen, ihnen Vertrauen zu geben und herauszufinden, was ihr Anliegen ist. Dann könne man auch überlegen, wie man sie für sich gewinnen könne. Außerdem habe er auch gelernt, alles nochmals genau anzuschauen und zu überdenken. Dieses Rüstzeug habe er auch in seiner späteren Laufbahn gut verwenden können. Martina Brosi-Barth erläuterte, dass sie es als Bereicherung empfunden habe, während ihrer Ausbildungszeit in fünf verschiedene Verwaltungsbereiche Einblick zu erhalten. Außerdem fand sie auch das Vertiefungsstudium Führungs- und Kommunalpolitik als ein gutes Rüstzeug für die Praxis. Die Jüngste im Bunde, die Studentin Julia Nußhag, konnte besonders gut auf die Unterschiede zwischen der Ausbildung zur Verwaltungsfachangestellten und zum gehobenen Dienst eingehen, nachdem sie selbst erst die Ausbildung durchlaufen hatte. „Die Inhalte sind sehr viel tiefer“ bemerkte sie zum Studium an der Hochschule. Von daher empfand sie es persönlich nicht als großen Vorteil, die Ausbildung vorher gemacht zu haben. Sie sei vor allem sehr viel praxislastiger.
 
Jochen Müller bedankte sich in seinem Schlusswort nochmals bei allen Beteiligten und überreichte allen ein Weingebinde als Aufmerksamkeit und als Dankeschön.
Die Gäste konnten sich ebenfalls über ein Geschenk freuen. Der Verband hatte aus Anlass des 125-jährigen Jubiläums eine Sonderbriefmarke der Deutschen Bundespost herausgebracht. Jeder Gast durfte ein Briefmarkenheftchen mit diesen einmaligen Briefmarken mit nach Hause nehmen. Dieses sollen in diesem Jahr auch alle Teilnehmer an den Kreisversammlungen erhalten.
 
Danach wurde die Veranstaltung mit den musikalischen Klägen der Combo sowie einem festlichen Abendessen abgerundet.

Alle "Aktiven" des Jubiläums: Redner, Talkrunde, Filmteam

Fest-Impressionen

Mehr über den Verband im Jubiläumsjahr erfahren Sie in der Jubiläumsausgabe der Verwaltungszeitung Nr. 1/2018 hier auf der Homepage (Archiv).

  • Zur Startseite