Berufspolitik

Liebe Mitglieder,

am 12. Mai wurde der Landtag konstituiert. Den neu gewählten Abgeordneten sowie dem Ministerpräsidenten gratulieren wir herzlich und wünschen ihnen eine gute Zusammenarbeit für unser Land Baden-Württemberg. Getreu dem Motto „Suchet der Stadt Bestes“ (Jeremia 29) beziehungsweise „Suchet das Beste für unser Land“ dürfen sie den Mut haben, die politische Kultur in Baden-Württemberg weiterzuentwickeln. Der 18. Landtag von Baden-Württemberg wird eine große Verantwortung tragen. Vertrauen und helfen wir ihm, dass es gelingt. Der Verband der Verwaltungsbeamten mit seinen Beschäftigten und Beamten reicht dazu die Hand. Dafür danken wir für die Zusage aller Regierungsparteien zum Berufsbeamtentum als Maßnahme der Staatsmodernisierung. Viele Experten haben ausgerechnet, dass Beamte nicht teurer sind als Arbeitnehmer. Teilweise sind sie für den Staat sogar günstiger. Das Berufsbeamtentum trägt enorm zur Attraktivität und Wettbewerbsfähigkeit des öffentlichen Dienstes bei.

In Abstimmung mit dem BBW haben wir unsere drei zentralen Forderungen mitgeteilt: Beständigkeit beim Berufsbeamtentum ohne Einheitsversicherung, bedarfsgerechte Ausbildung an den Verwaltungshochschulen sowie der öffentliche Dienst als attraktiver Arbeitgeber durch eine angepasste Arbeitszeit. Baden-Württemberg ist das einzige Land, das noch eine 41-Stunden-Woche hat. Selbst Hessen hat ab 50 Lebensjahren eine Reduzierung auf 40 Wochenstunden. Nachdem in der Wirtschaft deutlich weniger gearbeitet wird, halten wir eine Anpassung für notwendig. Wir sehen sehr wohl die Erfordernisse, dass Menschen in Deutschland wieder mehr arbeiten. Daher geht unsere Forderung auch nur um 1 Stunde auf 40 Wochenarbeitsstunden und nicht auf 39, was angesichts der Arbeitszeiten in der Privatwirtschaft ebenso möglich wäre. Den Wegfall der 41. Stunde halten wir ab 1. Januar 2030 für gut umsetzbar. Dies lässt der Konjunktur wieder eine Erholung zu. Die Reduzierung der Arbeitszeit sollte bis dahin in den meisten Bereichen aufkommensneutral erfolgen können. Die Digitalisierung wird in der Verwaltung in den nächsten Jahren Fahrt aufnehmen, dass dort die KI ein effektives Arbeiten ermöglicht, um die Stunde zu kompensieren. Die Aufnahme des Themas in die Koalitionsgespräche und die aktive Unterstützung durch die CDU war ein wichtiger erster Schritt.

Eine virtuelle Sitzung der DVG Deutschen Verwaltungs-Gewerkschaft fand am 20. Februar mit Vertretern aus allen Bundesländern statt. Dabei ging es um die Vorbereitung des Gewerkschaftstags am 5. und 6. November in Wernigerode. Der VdV wird zu diesem 16 Delegierte entsenden. Unser Vorschlag für eine moderate Anpassung der Beiträge fand Anklang. Es ist uns wichtig, durch digitale Sitzungen die Gremienarbeit bei der DVG schlank zu halten.

Einen intensiven Austausch hatten wir beim Bundeshauptvorstand der DVG in Randersacker im April. Erfreulich ist der einstimmige Beschluss, mit dem VdV-Vorschlag zu den Mitgliedsbeiträgen in den Gewerkschaftstag zu gehen. Ein besonderes Dankeschön an unser Vorstandsmitglied Alfred Maucher für die Ausarbeitung des komplexen Themas. Alina Weinberger als DVG-Jugendleiterin wird ihr Amt zur Verfügung stellen. Im Juni wird die DVG-Jugend bei uns in der Geschäftsstelle in Stuttgart tagen. Neben konstruktiven Gesprächen stand vor allem der persönliche Austausch im Mittelpunkt – eine wertvolle Gelegenheit, Perspektiven zu teilen und den Zusammenhalt zu stärken.

Am 5. März 2026 besuchte die Vorsitzende der Landesfrauenvertretung mich zu einem Austausch über aktuelle Themen. Claudia Grimm, Vorsitzende der Landesfrauenvertretung, rekurrierte im Gespräch auf das Positionspapier der Landesfrauenvertretung. Einig war man sich in der Beobachtung, dass aktuell eine Umstrukturierung im Bereich der Kinderbetreuung stattfände, Möglichkeiten eines flexibleren Personaleinsatzes in der Erprobung seien und man sich perspektivisch auf sinkende Kinderzahlen einstelle. Im Hinblick auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sehe die Situation im Verwaltungskontext sehr positiv aus. Man habe, auch im Hinblick auf den Fachkräftemangel, vielfältige und flexible Formen von Homeoffice und Teilzeit geschaffen. Dies gelte auch für Führungspositionen. Was die 41-Stunden-Woche im öffentlichen Dienst anbelangt, wird hier ein zentrales Handlungsfeld für die anbrechende Legislaturperiode gesehen. Gerade durch die ungleich verteilte Care-Arbeit sei jede Stunde Vollzeitarbeitszeit weniger ein Gamechanger – gerade für Frauen. „Wer Teilzeitanteile verringern will, muss Vollzeit leistbar machen“, so Claudia Grimm abschließend.

Zusammen mit unserem VdV-Geschäftsführer Tilman Schmidt waren wir im Austausch mit dem Staatsanzeiger Baden-Württemberg zu aktuellen verbandspolitischen Themen. (Das ausführliche Interview mit dem Staatsanzeiger in der Verwaltungszeitung Ausgabe 2-2026.)

Im Gespräch waren wir auch mit dem Studenten und Public-Makers-Gründer Florian Stupp. Er ist Teil der gemeinnützigen Organisation Public Makers und steht für genau das, was diese Community ausmacht: Neugier, Innovationsgeist und den Mut, eigene Ideen in die Realität umzusetzen. Ob beim Entwickeln von Prototypen, beim Experimentieren mit neuen Technologien oder beim Arbeiten an nachhaltigen Lösungen – er zeigt, wie vielseitig und spannend die Welt des Machens sein kann. Die Nichtregierungsorganisation „Public Makers“ hat er mitgegründet, um jungen Talenten den Zugang zum öffentlichen Sektor aufzuzeigen.
Sein Ansatz sorgt bundesweit für Aufsehen. So hat er den „Young Leaders in GovTech Award“ des Handelsblatts bekommen. Dabei gibt es im Bereich Digitalisierung im öffentlichen Dienst jetzt viel zu tun. Das machte auch dbb-Chef Volker Geyer beim GovTech Gipfel deutlich. „Die Bürgerinnen und Bürger erwarten einen digitalen Zugang zu ihrem Staat. Der Bundestag und die Landtage müssen unter anderem bei neuen Gesetzen digitale Lösungen direkt mitdenken und anbieten. In Hinblick auf den öffentlichen Dienst ist die Digitalisierung und der Einsatz von KI ein wichtiger Hebel, um dem Personalmangel entgegenzuwirken. Derzeit fehlen 600.000 Fachkräfte, in den kommenden zehn Jahren werden weitere 1,4 Millionen den Staatsdienst altersbedingt verlassen.

Eine schöne Sommerzeit wünscht allen unseren Mitgliedern


Sarina Pfründer


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