Berufspolitik

Liebe Kolleginnen und Kollegen,
 
das Image von Beamten verbessert sich deutlich. Dies ist das aktuelle Ergebnis der diesjährigen Bürgerbefragung, die das Meinungsforschungsinstitut forsa für den dbb beamtenbund und tarifunion durchgeführt hat. Damit setzt sich ein Trend aus den vergangenen Jahren fort. Bereits 2016 und 2017 sprachen sich vier von fünf Bürgern für einen starken Staat aus. Angesichts der aktuellen Entwicklungen ist es den Menschen in diesem Staat immer wichtiger einen zuverlässigen, pflicht- und verantwortungsbewussten öffentlichen Dienst zu haben. Es sind auch die Beamtinnen und Beamten, die unseren Rechtsstaat und den Menschen in Deutschland nur ein Gefühl der Geborgenheit und Sicherheit in politisch nicht einfachen Zeiten geben.

Der Sommer und damit für viele die schönste Jahreszeit ist vorüber und die politische Arbeit hat bereits begonnen. Beim Sommerfest des BBW hat der Vorsitzende Kai Rosenberger gegenüber Innenminister Thomas Strobl die Forderungen gegenüber der Landesregierung nochmals deutlich gemacht. Eine Überprüfung der Besoldung in den Besoldungsgruppen A 5 bis A 7 und der Besoldungsstruktur und der Besoldungstabellen insgesamt duldet keinen Aufschub mehr und steht an. Ebenso bleibt die Wochenarbeitszeit für Beamtinnen und Beamte ein Thema. Die Bundesregierung hat aktuell ein Rentenpaket beschlossen. Alle Eltern bekommen für vor 1992 geborene Kinder einen halben Entgeltpunkt pro Kind bei der Rente gutgeschrieben. Die Beamtinnen und Beamten müssen bei diesem Thema gleichbehandelt werden, soweit sie betroffen sind. Lösungsvorschläge sind den Verantwortlichen grundsätzlich bekannt.

Wenn auch von der Landesregierung Nachwuchsprobleme für bestimmte Bereiche negiert werden, so ist die Realität in den Kreis- und Kommunalverwaltungen eine völlig andere. Dort wird mit allen Mitteln versucht offene Stellen zu besetzen. Wegen der demographischen Entwicklung in den kommenden zehn Jahren wird es dramatisch werden, wenn es nicht gelingt junge Menschen für den öffentlichen Dienst zu gewinnen. So sind etwa 30 Prozent der Mitarbeiter zwischen 45 bis 54 Jahre alt und rund 25 Prozent über 55 Jahre, so die aktuellen Zahlen im Bund. In Baden-Württemberg sieht dies grundsätzlich wohl nicht anders aus. Die umfassende Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung hat nach Meinung vieler Experten gerade erst begonnen. Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern haben wir noch viele brachliegende Potenziale. Gerade dort sollte stärker auf frische Perspektiven und die Kreativität junger Leute zurückgegriffen werden. Wir brauchen bei der Umsetzung innovative Ansätze und müssen der jungen Generation die ganz andere Anforderungen an die Arbeit stellt zuhören. Die Work-Life-Balance ist vielen wichtiger als dies in der Vergangenheit wahrgenommen wurde. Damit ist die Wochenarbeitszeit im Vergleich zur freien Wirtschaft ein echter Wettbewerbsnachteil. Der vermeintliche Vorteil der privaten Krankenversicherung wurde durch die Beihilfeverschlechterungen in den Jahren 2013/2014 längst egalisiert. Deshalb besteht hier dringender Handlungsbedarf.
Aber eines bleibt unerlässlich: „Die Beamtinnen und Beamten müssen von ihrem Gehalt den Lebensunterhalt bestreiten können.“ Die Mieten und die Lebenshaltungskosten insgesamt sind auch für den öffentlichen Dienst gestiegen und der Wohnraum fehlt häufig für die jungen Kolleginnen und Kollegen, nicht nur in den Ballungszentren.

Unser Verband setzt sich mit seinen Dachorganisationen in Baden-Württemberg, dem BBW, und im Bund, dem dbb und der DVG, dafür ein, dass unsere Interessen gewahrt werden und unsere berechtigten Anliegen Gehör finden. Deshalb ist unser Verband der Verwaltungsbeamten so wichtig – seit 125 Jahren! Jede Kollegin und jeder Kollege unterstützt durch seine Mitgliedschaft unsere Arbeit.
Hier auf unserer Homepage finden Sie übrigens neben dem Filmtrailer anlässlich unseres Verbandsjubiläums auch ein Beitrittsformular.
 
Ich danke jedoch insbesondere allen aktiven Mitstreitern, den Vorstandsmitgliedern, den Kreisvorsitzenden und den Arbeitskreismitgliedern sehr herzlich für ihre ehrenamtliche Arbeit für unsere gute Sache.

Mit kollegialen Grüßen

Jochen Müller
Verbandsvorsitzender


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