Berufspolitik

Liebe Mitglieder,
die Schulen sind gestartet und damit viele Beschäftigte und Beamte des öffentlichen Dienstes in ein neues Schuljahr. Dabei gestaltet sich die Lage wie folgt: Aktuell fehlen dem öffentlichen Dienst 600.000 Beschäftigte, um allen Aufgaben gerecht zu werden. Die zahlenmäßig größten Fehlbedarfe gibt es laut aktueller Abfrage bei den dbb-Fachgewerkschaften vor allem bei Lehrkräften (115.000), Fachkräften in Gesundheit- und Altenpflege (120.600) sowie in den Kommunalverwaltungen (108.500). In manchen Bereichen steht die Handlungsfähigkeit des Staates auf dem Spiel.
 Langfristig hoffen wir, dass die Digitalisierung einmal für spürbare Entlastung sorgen kann. Allein die künstliche Intelligenz, die derzeit in vielen Verwaltungen durch Dienstvereinbarungen und Schulungen nutzbar gemacht wird, sorgt aktuell beispielsweise bei der Texterstellung für Effizienz. Dieses Grußwort wurde in über einer Stunde händisch erstellt. Die KI hätte nur zwei Sekunden gebraucht … Bis aber digitale Verfahren große Entlastungen bringen werden, ist es noch ein Stück Weg. Solange gehen wir davon aus, dass kurz- und mittelfristig sogar mit einem höheren Personalbedarf zu rechnen ist.
 Hierfür brauchen wir in den nächsten Jahren verstärkt Absolventen der Verwaltungsschulen. Dies war Thema sowohl mit allen Fraktionen in unseren Sommergesprächen im Vorfeld der Landtagswahl 2026 als auch mit dem neuen Kanzler Markus Dammler der Hochschule Ludwigsburg.
 Sehr freut uns, dass junge Absolventen wieder mehr Interesse am öffentlichen Dienst haben. Was wir für diese Generation brauchen, ist ein neues Narrativ. Verwaltung ist nicht langweilig - sie ist das Rückgrat unserer Demokratie. Sie ist nicht träge - sie ist vorsichtig, weil sie für uns alle entscheidet. Und sie ist nicht veraltet - sie steckt mitten in einem großen Modernisierungsprozess. Wenn Verwaltung wieder attraktiv sein soll, braucht es drei Dinge: Mut, Kommunikation und Ehrlichkeit. Mut - auch mal was Neues zu probieren. Ehrlichkeit - denn nur diese hat Bestand. Und eine offene Kommunikation, auch auf neuen Kanälen.
 Hier sind wir dran: Der Verbandsvorstand hat beschlossen, dass unser Mitgliederorgan, die Verwaltungszeitung BW, ab dem kommenden Jahr 2026 vier Mal pro Jahr statt fünf Mal erscheinen soll. Der Umfang der einzelnen Ausgaben kann dadurch etwas größer werden als bisher (zuletzt waren es meist zwischen 32 und 40 Seiten - künftiger Umfang ist dann vermutlich zwischen 40 und 48 Seiten). Die vorgesehenen Erscheinungstermine innerhalb des Jahres sollen die Monate März, Juni, September und Dezember sein - also eine Ausgabe pro Quartal. Die Verwaltungszeitung wird von der Geschäftsstelle und von unserer Leiterin des Arbeitskreises Öffentlichkeitsarbeit, Julia Förster, redaktionell gestaltet. Hierfür vielen Dank! Optisch planen wir einen Relaunch der Verbandszeitung.
 Neben der Verwaltungszeitung bauen wir aktuell unsere digitale Berichterstattung aus. Schon über 500 Follower hat unser Insta-Kanal. Dies ist der engagierten Berichterstattung unseres Jugendleiters Pascal Metzger zu verdanken. Hier erfahren Sie immer tagesaktuell von den Aktivitäten des VdVs. Folgen Sie uns - sofern noch nicht geschehen - gerne online.
 Einen persönlichen Brief schrieb uns der neue Bundesvorsitzende Volker Geyer als Antwort auf unsere Glückwünsche an ihn zur Wahl. Gerne zitieren wir daraus: „In dieser besonderen Situation ist es mir umso wichtiger, Verantwortung zu übernehmen - mit dem klaren Ziel, den eingeschlagenen Kurs im Sinne unserer Kolleginnen und Kollegen im öffentlichen Dienst weiterzuführen. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit Ihnen und setze dabei auf einen offenen, konstruktiven Austausch zum Wohle der Beschäftigten.
 Gerade in herausfordernden Zeiten zeigt sich, wie unverzichtbar ein funktionierender öffentlicher Dienst für unser Land ist. Die Menschen, die dort tagtäglich mit Kompetenz, Engagement und Verantwortungsbewusstsein arbeiten, sichern das gesellschaftliche Fundament - von Bildung über Sicherheit bis hin zur Gesundheitsversorgung.
 Diese Beschäftigten verdienen unsere volle Unterstützung, Anerkennung und eine starke Interessenvertretung. Dafür werde ich mich mit ganzer Kraft einsetzen. Nochmals danke ich Ihnen für Ihr Vertrauen und Ihre guten Wünsche. Ich freue mich auf die gemeinsame Arbeit.“
 Eine tolle Arbeit leisten unsere Kreisvorsitzenden. Es ist beachtlich, welche vielseitigen Programme und Besichtigungen durch sie jedes Jahr organisiert werden. Bei der 18. Kreisvorsitzendenkonferenz am 25. Juli konnte ich unseren Dank hierfür aussprechen. Diese durften wir wieder im großen Konferenzsaal der LBS Süd in Stuttgart ausrichten, mit wertvoller Möglichkeit zum anschließenden Austausch in der obersten Etage. Gespannt waren wir auf die Worte von Stefan Siebert, Vorstandsvorsitzender der LBS Süd, zumal die Baubranche sich nach jahrelanger voller Auftragslage auf geänderte Rahmenbedingungen einstellt. BBW-Vorsitzender Kai Rosenberger informierte engagiert zur Lage. Einen ausführlichen Bericht finden Sie in dieser Zeitung. 
 Darunter war auch das Thema Bürgerversicherung, das BBW wie VdV kritisch begleiten. In Süddeutschland profitiert der ländliche Raum von Privatversicherten. Der Mehrumsatz durch privatversicherte Patientinnen und Patienten stärkt nicht nur die ambulante Versorgung, so der PKV-Verband für Bayern und Baden-Württemberg: Inbesondere die strukturschwachen Regionen würden davon profitieren. Durch den Mehrumsatz durch Privatversicherte sind dem Gesundheitssystem in Deutschland 2024 rund 14,5 Milliarden Euro zusätzlich zugeflossen, wie eine Auswertung des PKV-Verbands besagt. Dabei entfallen laut dem wissenschaftlichen Institut der PKV (WIP) allein auf den ambulant-ärztlichen Bereich rund acht Milliarden Euro jährlich. Neue Daten für Bayern und Baden-Württemberg zeigen nun, wie sich das konkret für die Ärztinnen und Ärzte in Süddeutschland auswirkt. Die private Krankenversicherung sichert jedem niedergelassenen Arzt in Bayern und Baden-Württemberg pro Jahr im Schnitt rund 80.000 Euro zusätzlich, die ohne PKV wegfallen würden. 
Zurück zur Personalsituation im öffentlichen Dienst: Angesichts der Personalnot in vielen Behörden begrüßen wir das neue Regelungsbefreiungsgesetz, mit dem belastende Standards bei bestimmten landesrechtlichen Regelungen zur kommunalen Aufgabenerfüllung ausgesetzt werden können. Auch wenn es noch lange nicht der große Wurf zur Entbürokratisierung ist, ist es immerhin ein Schritt in die richtige Richtung. Daher wollen wir nichts unversucht lassen, um den Spielraum zu nutzen, den das Regelungsbefreiungsgesetz bietet. Dies bedeutet echte Aufgabenkritik - die von jedem gemacht werden kann. Was geht einfacher, welche Dokumentation muss nicht vollumfänglich sein, was kann eingespart werden? Wir sollten diese Chance nutzen und unser tägliches Arbeiten überprüfen. Die Politik ist offen für Entbürokratisierung. Und wir müssen auch als Bürger verstehen lernen, dass Bürokratieabbau weniger Kontrollen, weniger Einzelfallgerechtigkeit bedeutet. Da müssen alle die Ansprüche runter fahren. Auch dieses Thema stand im Mittelpunkt der positiven Gespräche mit den Landtagsfraktionen.
Nun wünschen wir allen eine schöne Herbstzeit.
Mit freundlichen Grüßen
Sarina Pfründer


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