Berufspolitik

Liebe Kolleginnen und Kollegen,
 
die Digitalisierung macht vor nichts Halt. Alle Bereiche der Gesellschaft sind von diesem Phänomen betroffen: egal ob Smart Home, Arbeit 4.0 oder der öffentliche Dienst im Allgemeinen und die Beamtinnen und Beamten in unseren Verwaltungen und Organisationen im Besonderen. Es ist in der Gegenwart, noch mehr in der Zukunft, ein Kernthema. Viele Themen werden sich durch digitale Verfahren besser bearbeiten lassen oder könnten bereits heute schon nicht mehr bewältigt werden. Digitalisierung geht jedoch weiter. Die persönliche Kommunikation der Menschen hat sich verändert. Es wird online kommuniziert, manchmal auch in überflüssiger Form und Ausmaß. Ein anderer Trend ist die Standardisierung menschlicher Arbeit und die Neugestaltung von Prozessen bis hin zur Algorithmisierung. Bei all diesen Entwicklungen müssen Entscheidungen weiterhin nachvollziehbar und transparent bleiben. Was bedeutet dies für die öffentliche Verwaltung und für die Kolleginnen und Kollegen? Mit der Digitalisierung werden massive organisatorische Veränderungsprozesse stattfinden müssen. Bürgerinnen und Bürger wünschen sich einen guten Service, um verlässlich und unkompliziert ihren Lebensalltag bewältigen zu können. Der Gang zum Amt ist dabei nicht mehr vorgesehen. Das Ausfüllen von Formularen wird online erledigt. Gleichzeitig soll „das Amt“ mit menschlich-analogen und kompetenten Ansprechpartnern bei Bedarf natürlich da sein. Deshalb müssen nicht nur die notwendigen Kapazitäten vorgehalten werden, sondern sind auch die Verfahren an den Nutzungserwartungen auszurichten. Insbesondere den Kommunen kommt als Anlaufstelle Nummer eins für die Bürger eine besondere Rolle zu. Die technologischen Möglichkeiten sind dabei längst noch nicht ausgeschöpft. Dabei wird es nicht nur darum gehen IT-Fachpersonal zu gewinnen. Es wird Kommunikationsprofis allein für die Öffentlichkeitsarbeit in den sozialen Netzwerken bedürfen. In Zeiten, in denen gerade Jüngere nicht mehr unbedingt Zeitung oder das örtliche Mitteilungsblatt lesen, werden die Bürgerinnen und Bürger zunehmend über Social Media erreichbar sein. Die Bedeutung erleben wir jeden Tag mit zunehmender Geschwindigkeit. Veränderungen zu bewältigen, völlig neue Aufgaben anzugehen, dazu sind die Beamtinnen und Beamten durchaus in der Lage. Dies wurde nicht nur beim Flüchtlingsthema in der Vergangenheit, sondern wird auch aktuell bei neuen Aufgaben wie der Umsetzung der Datenschutzgrundverordnung bewiesen. Dazu braucht der öffentliche Dienst - und daran wird kein Weg vorbeiführen - mehr Personal und bessere Arbeitsbedingungen. Gerade im Bereich der digitalisierten Arbeitswelt ist auf eine gesundheitsorientierte Arbeitszeitgestaltung zu achten. Und natürlich werden, wenn man für die jüngere Generation ein attraktiver Arbeitgeber sein will, flexible Arbeitszeitmodelle erforderlich sein. Die mit Unterstützung des Verbands der Verwaltungsbeamten initiierte erhöhte Zulassungszahl für den gehobenen Verwaltungsdienst ist nur ein Baustein von vielen weiteren erforderlichen Maßnahmen. Dazu wird es auch im derzeit sich in der Diskussion befindlichen Landeshaushalt 2020/21 zwingend notwendiger Mittel bedürfen. Die Wochenarbeitszeit ist für viele junge Kolleginnen und Kollegen ein aktuelles Thema. Die Verschlechterungen im Beihilferecht müssen endlich zurückgenommen werden. Auch 2019 wird das Land aus heutiger Sicht nochmals höhere Steuereinnahmen als in den Vorjahren verbuchen können. Da ist das Argument fehlender Geldmittel nicht zutreffend. Vielmehr ist die Frage für welche Versprechungen Mittel da sind.
All das bedeutet für uns und den Beamtenbund Baden-Württemberg weiterhin, nicht nur wachsam zu sein, sondern nach wie vor unsere Interessen mit aller Macht gegenüber der Politik zu vertreten.

Mit kollegialen Grüßen

Jochen Müller
Verbandsvorsitzender


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